«Die Gebärdensprache hat uns einander nähergebracht»
Wie ist es zum Gebärdensprach-Kurs im Mehrwerk gekommen?
Berno: Die Idee für den Kurs kam aus unserer Peer-to-peer-Gruppe. Da sprechen wir (Mitarbeitenden) über Sachen, die uns innerhalb vom Werkheim oder einer Arbeitsgruppe beschäftigen. Fabio ist gehörlos. Als er zu uns ins Team kam, wussten wir nicht, wie miteinander kommunizieren. Das fanden wir schade und wollten etwas ändern. So haben wir vorgeschlagen, dass wir einen Kurs in Gebärdensprache machen.
Andreas: Der Vorschlag fand Anklang und wurde umgesetzt. Letztes Jahr haben rund 40 Mitarbeitende und Fachpersonen vom Mehrwerk einen Basiskurs in Gebärdensprache besucht.
Was hat sich seither verändert?
Fabio: Seit dem Kurs plaudern wir mehr und verstehen uns besser. Ich kann Lippenlesen und verstehe einiges. Meine Teamkollegen mischen Sprache, Mimik und Gebärdenzeichen. So teilen wir uns mit und helfen uns aus. Das finde ich cool und es freut mich! (sinngemäss übersetzt)
Andreas: Im Team kommunizieren wir nun mehr mit Gebärdensprache und Fabio ist besser eingebunden, auch in den Pausen. Es ist mehr Interaktion möglich, mehr Mitgestaltung. Im Arbeitsalltag haben wir unsere Kommunikation angepasst. Ich spreche zum Beispiel in der Morgenrunde Hochdeutsch, damit Fabio besser Lippenlesen kann. Einzelne Tätigkeiten in der Mechanik kann ich in Gebärdensprache ausdrücken – da gibt es aber noch Luft nach oben.
Berno: Im Kurs haben wir verschiedene Grundbegriffe, Zahlen, Farben und das Finger-Alphabet gelernt. Am wertvollsten finde ich, dass wir unsere Befindlichkeit ausdrücken können. Wir führen keine langen Gespräche, aber können uns mitteilen, wenn wir einen guten oder schlechten Tag haben. Wir sind mehr in Kontakt und können alle ein Teil sein vom Team. Das hat uns einander nähergebracht.
Wie geht es weiter?
Berno: Ich würde gerne noch einen zweiten Kurs machen, spezifisch für unsere Zusammenarbeit in der Mechanik. Für mich ist es wie eine Fremdsprache lernen und ich bin sehr motiviert!
Fabio: Wir sind auf dem guten Weg und verstehen uns schon besser. Sprachen lernen wir langsam, so auch die Gebärdensprache. Üben hilft! Und wenn etwas unklar ist, dann unbedingt nachfragen. (sinngemäss übersetzt)